Werkleitz Jubiläumsfestival 2013 vom 12. bis 27.10. 2013 in Halle/Saale
Auftraggeber: werkleitz e.V.


Der 20. Geburtstag der Werkleitz-Gesellschaft ist der Anlass, die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der zurückliegenden zwei Jahrzehnte zu reflektieren: die veränderte Rolle der Kunst, die Idee von Gemeinsamkeit und Kollektiv sowie die Präsentation von Kunst in Zeiten des Internets. Im Verlauf des Festivals präsentieren Kuratoren und Theoretiker in Halle neu entwickelte Arbeiten. Der Titel des Jubiläumsfestivals »Utopien vermeiden« geht auf die gleichnamige Arbeit von Martin Conrath zum ersten Werkleitz Festival 1993 zurück.
Eine Festlegung auf ein bestimmtes Erscheinungsbild schien zunächst schwer möglich. Das Jubiläumsfestival ist als solches eher eine große Klammer um eine heterogene Festivalgeschichte, so dass sich all die verschiedenen Haltungen und Stimmungen kaum in einem grafischen Erscheinungsbild zusammenführen ließen.
Schließlich fiel die Entscheidung auf die gespiegelte Darstellung des Schriftzugs. Auslöser für diesen Ansatz war ein Text von Michel Foucault, worin er den Spiegel als eine Art Mischform aus Utopie und Heterotopie begreift. »Der Spiegel ist eine Utopie, sofern er ein Ort ohne Ort ist.«1 Die Spiegelung des Schriftzuges kann darüber hinaus als Rückblick gelesen werden und steht damit auch für die Retrospektive anlässlich des Jubiläums.
Ein weiteres konzeptionelles und grafisches Prinzip ist die Wiederholung der Inhalte. Teilweise überlagern sich Textebenen, die Type des Schriftzuges wechselt, auf Farbe wird verzichtet – alles scheint gleich wichtig zu sein, bis es sich selbst auslöscht. So steht schließlich auf einer großen, weißen Plakatwand gleich einem sich selbst auslöschenden Aufruf: Utopien vermeiden.


1 – Foucault, Michel: Andere Räume (1967), in: Barck, Karlheinz (Hg.): Aisthesis: Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik; Essais. 5., durchgesehene Auflage. Leipzig: Reclam, 1993, S.39