Heimat wird als selbstverständlich wahr- und angenommen. Erst wenn wir sie verlassen oder verloren haben, lernen wir sie kennen. Die Dinge, die wir mit uns nahmen, sind Andenken und Zeitzeugen. Diese Gegenstände sind zumeist beiläufiger Natur. Sie sind dadurch des Ausstellens würdig, weil sie Geschichten erzählen: Sie treten aus der Anonymität der Alltagsdinge hinaus und werden zu Stellvertretern des Erlebten. Etwas scheint sich an ihnen abgelagert zu haben. Die Dinge haben offensichtlich eher einen auratischen als einen informativen Charakter. Es sind sentimentale (1) Objekte, denen man ihre Bedeutung nicht unmittelbar ansieht. 
Das Seminar beschäftigte sich mit der Darstellung einer Objektsammlung im Buch – der Betrachtung des Buches als musealer Raum, einem Ding zum »Hineingehen«. Zu Beginn des Seminars erarbeiteten die Teilnehmenden Konzepte und formulierten ein klares inhaltliches Anliegen für ihre Arbeit. Sie sammelten Objekte unter einem bestimmten Sammlungsaspekt und erstellten ein selbst gewähltes Ordnungsprinzip. Folgend erprobten sie Möglichkeiten der Abbildung und Darstellung, um dem Betrachter ein möglichst genaues Bild von Größe, Materialität, Beschaffenheit und dem Charakter ihrer Sammlung zu vermitteln. Die Gestaltung mit Text und Bild, die Dramaturgie und visuelle Sprache des Buches waren inhaltliche Schwerpunkte der wöchentlichen Treffen.
Die entstandenen Bücher erzählen uns etwas von der einstigen Nähe, der Erscheinung der fernen Heimat und es zeigt sich eine eigentümliche Dialektik – wie sie Walter Benjamin formulierte (2)–, daß uns zeitlich und räumlich nahe ist, was zeitlich und räumlich unendlich entfernt sein kann.

1 – ausgehend von der Idee des Ausstellungskonzeptes »museé sentimental« des Schweizer Künstlers Daniel Spoerri seit den 1970er Jahren
2 – Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen
Reproduzierbarkeit, deutsche Fassung 1939; in: derselbe: Gesammelte Schriften, Band I, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972